Wir stellen vor: Advents-Gedanken von Katharina Kemnitzer

 

Katharina Kemnitzer ist Pfarrerin im Schuldienst am Caspar-Vischer-Gymnasium in Kulmbach.

Adventsgedanken zum 8.12 –

Und damit ist diese Adventswoche ans Ende gelangt- Das nächste Mal ist dann schon „zwischen den Jahren“. Ich wünsche einen gesegneten 2.Advent!

 

 

 

 

 

 

Adventsgedanken zum 7.12

 

 

 

Adventsgedanken zum 6.12

 

Adventsgedanken zum 5.12.

 

Adventsgedanken zum 4.12.

 

Adventsgedanken zum 3.12.

 

Seit April 2018 ist sie Landesvorsitzende des Dach- und Fachverbandes für Evangelischen Religionsunterricht GVEE (Gesamtverband der Evangelischen Lehrkräfte in Bayern). In diesem Dachverband sind alle staatlichen und kirchlichen Berufsgruppen vertreten, die an den verschiedenen Schularten in Bayern Religion unterrichten.Monatlich ist Katharina Kemnitzer mit Radioandachten in verschiedenen Privatsendern zu hören, vor allem bei Charivari 98.6 (Großraum Nürnberg), Radio Plassenburg (Raum Kulmbach), Radio Euroherz (Raum Hof) und Radio 8 (Raum Ansbach und Bamberg).

Zusätzlich ist sie Fortbildnerin und Referentin zu Themen religiöser Erziehung und Bildung vom Kindergarten bis Erwachsenenbildung.

(pe, 3.12.2018)

Frau Kemnitzer, fühlen Sie sich in Ihrer beruflichen Rolle eher als Pfarrerin oder als Lehrerin?

Definitiv beides! Ich schöpfe aus meinem Theologiestudium und aus der Praktischen Erfahrung – denn ich war vor der Schule 2,5 Jahre als Pfarrerin in der Diakonie und dann fast 7 Jahre lang Gemeindepfarrerin. Gleichzeitig ist der Bereich Schule natürlich noch einmal etwas ganz anderes – ich unterrichte, bringe etwas bei – und das in einer Intensität, die so anderswo nicht möglich ist.

Was ist für Sie ein Kennzeichen für guten, zeitgemäßen RU?

Offenheit und Vertrauen auf beiden Seiten.

Respekt – füreinander, aber auch unbedingt für die Inhalte, um die es geht.

Von Seiten der Lehrenden das Bewusstsein: Wir sind womöglich die einzigen, die so intensiv und nachhaltig mit den Schülerinnen und Schülern über Themen des Glaubens und erst recht über das theologische Fachwissen sprechen. Wir sind die, die über eine enorm prägende Lebensspanne Kinder bis ins Erwachsenwerden begleiten! Bei uns begegnen sie Theologie, gelebtem Glauben, all jenen Aspekten von Gemeinde, Kirche, Christentum, die wir ihnen eröffnen – und bei vielen unserer Schüler sind wir die einzigen, die das in dieser Kontinuität und mehrere Jahre lang tun.

Gleichzeitig sind Christentum und kirchliche Religion – (erst recht differenzierte Theologie!) –  nicht mehr selbstverständlich. Unsere Schülerinnen und Schüler werden von anderen Fächern und von so vielen stärkeren Eindrücken außerhalb der Schule mit gänzlich anderen Lebensdeutungen und Sinnstiftungen nur so umspült.

Guter, zeitgemäßer RU ist sich da seiner Chancen, unbedingt aber auch seiner großen Verantwortung bewusst.

Didaktisches Können und souveräner Umgang mit den Vorgaben sind die selbstverständliche Grundvoraussetzungen.

Aber guter RU sieht noch weit über den Lehrplan hinaus – und muss sich zusätzlich zu dem, was an Standards vorgegeben ist, auch die Frage stellen, was er Schülerinnen und Schülern zum Leben mitgeben kann: Wir halten durch Theologie und Frömmigkeit, Tradition und Erfahrung einen wahren Schatz in unseren Händen – guter RU kann damit die ihm Anvertrauten bereichern und beschenken. Wir machen keinen Glauben und lehren keine Frömmigkeit.  Aber bloße Religions-Kunde ist RU auch nicht. Wir unterrichten kein Fach, wir unterrichten Menschen. Der Staat erwartet von uns, dass wir uns dabei unserer christlichen Überzeugung bewusst sind – gerade weil er (religiös neutral, wie der Staat sein muss) diese nicht selbst vermitteln könnte und dürfte.

Darum reflektiert guter RU, inwiefern er seine letzte Begründung dennoch im Auftrag der ekklesia hat, und inwiefern er damit Ausdruck von Glauben, Gehorsam und Vertrauen auf den Herrn dieser Kirche, Jesus Christus.

Der besondere Reiz dabei: Guter RU ist keine Einbahnstraße, sondern ein intensives Miteinander:

Wir Lehrenden werden durch die Schülerinnen und Schüler ja immer wieder neu aufmerksam für Veränderungen in der Gesellschaft, für neue Fragen, neue Zweifel, neue Gewissheiten, neue Selbstverständlichkeiten…

Guter RU ist darum Über-setzen: Das was uns an Wissen, Können und Glauben wichtig ist, muss übersetzt, übertragen werden so, dass es in die Lebenswelt der Schüler hineinreicht, lebendig und relevant wird. Aber auch das, was wir durch die Schülerinnen und Schüler sehen, denken und fragen lernen – das spiegeln wir wieder hinüber in die Lebenswelt der Kirche.

Guter RU ist Anspruch – wie Christen die Welt, den Menschen sehen und die Fragen nach Sinn und Ziel beantworten, kann empfunden werden als  kritische Herausforderung oder Trost, als weltfremd oder als befreiend… Wir bringen es in Sprache, zur Sprache, machen sprachfähig und sprechen direkt an: Ja, das ist Anspruch! Und wir sind bereit, zu beanspruchen, wir zeigen, dass das, was  Christentum und Kirche im Innersten trägt nicht einfacher Kinderkram ist, nicht billig zu haben ist, sondern den ganzen Menschen fordert – in der Schule eben auch mit seinem Verstand!

 

Woher nehmen Sie Ihre Ideen zu den Andachten?

Unterschiedlich – von aktuellen Bezügen bis zu Erlebnissen …

Warum machen Sie die Andachten?

Weil es eine Herausforderung ist, in 70 Sekunden ein Thema auf den Punkt zu bringen und so zu formulieren, dass die Menschen möglichst dranbleiben und mitdenken.

Außerdem ist es eine Chance, zu zeigen, wie ganz Alltägliches eben auch christlich bedacht und gedeutet werden kann. Für ein paar Augenblicke kann ein wenig „Verkündigung“ entstehen – selbstverständlich und mitten im Leben.

Und wenn ich mich manchmal frage, ob´s die Mühe wert ist – dann machen Rückmeldungen richtig Freude:  Wenn mir Menschen erzählen, dass sie die Andachten per Whatsapp an 30, 40 Leute weiterleiten … wenn Kolleginnen sie zum Stundenbeginn als Impuls nützen …  dann lohnt sich das!

Vielen Dank für das Gespräch